Und immer, wenn diese sogenannte Realität wieder langweilt, gilt es den Satz zu denken, den Gabriel García Márquez seiner Autobiografie voranstellt:
“Nicht was wir gelebt haben, ist unser Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen”
Und deswegen habe ich mit einem, dessen Vorgesetzter der Mörder von Che Guevara war, Pommes gegessen, deswegen wäre ich beinahe Diplomat geworden, deswegen hat sich mein weiteres Leben an einem Dienstagabend im Jahre 1992, an einem Februarnachmittag im Jahre 1994 und an einem Nachmittag im Juni 1999 entschieden.
Deswegen müssen große Geschichten immer an großen Orten stattfinden, oder die Orte wenigstens dazu dienen, die Geschichten groß zu machen.
Deswegen behaupte ich, dass alles, was mir wichtig ist, immer an denselben Orten, in denselben Städten und zu denselben Jahreszeiten stattgefunden hat oder stattfinden muss.
Deswegen müssen Orte, Daten und Umstände mit Bedeutungen aufgeladen werden, die sie nie haben konnten, weil keine Bedeutungen da waren.
Deswegen muss es immer ein “heute vor drei Jahren”, ein “an der Straßenecke da hinten”, ein “morgen in drei Wochen” und ein “hier an diesem Tisch” geben.
Deswegen müssen immer Zitate, Szenen und Musiken für Sachen herhalten, für die ich keine Worte habe oder sie mir verkneifen muss.
Deswegen muss es immer ein been there, ein done that, ein hab ich schon gesehen, ein den kenn ich geben.
Deswegen wurden Fotoapparate, Kalendarien, die man archivieren kann, das Internet und Bartresen für mich erfunden.


